Shacke One & die Gang: Wo Nordberliner Hiphop lebt
Shacke One

 

In letzter Zeit war die Hauptstadt in Bezug auf größere Movements in der Deutschrapszene etwas hinterher: Was früher die Geburtsstädte deutschen Straßenraps mit legendären Crews und Labels wie Berlin Crime und Aggro Berlin war, ist heute zwar das Epizentrum der deutschen Musikindustrie. Und natürlich haben erfolgreiche Artists wie Luciano, Juju und Capital das Bild von Berlin mitgezeichnet. Aber die wirklich großen Movements der letzten Jahre verortete man eher außerhalb der Hauptstadt. Beispielsweise haben kleinere Städte wie Dresden (01099 Crew) oder auch Bietigheim (Shindy, RIN) an Aufmerksamkeit und Bekanntheit gewonnen.

Während die „ältere“ Berliner Generation ihren Status etabliert hat und der Nachwuchs der Metropole in den letzten Jahren größtenteils eher erfolgsorientierten Einheitsbrei ablieferte, wuchs in Nordberlin eine kleine Bewegung heran, deren Protagonist Shacke One gerade sein neustes Album „S1“ an den Start gebracht hat.

"Es ist der gottverdammte Boss der Panke!" - Shacke One / Stecks, Schmiers und Suff

Vor fast genau acht Jahren bereitete sich der Nordberliner Rapper Shacke One in seinem ersten Video darauf vor, das Spiel in die Hand zu nehmen. Episch inszeniert mit Liegestützen im U-Bahnschacht und einer Energie in der Stimme, die klar macht: Hier meint es einer nicht nur ernst, sondern ist gekommen, um der Plastikindustrie mit echter Musik das Maul zu stopfen.

Das Debütalbum „Stecks, Schmiers und Suff“ zeigt, wo die Reise hingeht. Als Nordberliner-Atze spielt natürlich Glaubwürdigkeit eine wichtige Rolle. Shacke ist schon vor seiner Laufbahn als Rapper in den Straßen Europas unterwegs gewesen und hat sich als Writer einen Namen gemacht. Und somit ist der Titel Programm! Es geht darum, andere Rapper lyrisch zu zerlegen, ein paar Mädels zu klären und sich die Nächte im U-Bahn Schacht um die Ohren zu schlagen. Natürlich dürfen dabei das Bier und der Futschi (typisches Berliner Mischgetränk aus Cola und Weinbrand) nicht fehlen.

Überhaupt bringt der ganze Sound der „Nordachse Cash Group“, wie sich das Label heute nennt, einen samplelastigen Sound, der sich an den Neunzigerjahren orientiert und sich mit einer gewissen Härte und Wahrhaftigkeit an Berliner Vorbildern wie M.O.R., Taktloss oder Bassboxxx orientiert.

Achim Funk und Klaus Layer, die beiden Hausproduzenten, liefern funklastige Samples auf scheppernden Snares. Und so schaffen es die Jungs, etwas zu vereinen, was bis dato im Deutschrapkosmos nicht zusammenpasste: Tradition und Leichtigkeit. Und zwar ohne, dass das Ganze altbacken klingt.

Songs wie „Was ist schon dran an som Tach“ oder auch das aktuelle „Nordberliner“ sind die perfekten Songs für lange Sommerabende mit der Gang. Shacke liefert auf bis dato vier Alben ab und ausverkaufte Touren sind ein Indiz dafür: die Fangemeinde der Nordachse wächst.

"Wir machen Stecks, Schmiers und Suff / Für den Mann von Qualität ausm Kiez ein Muss / Dumme Dullies kriegen das Grauen, wenn wir ihnen die Frauen klauen / Niemand hat die Absicht, dich Bauer zu hauen /"

Im zweiten offiziellen Video „W.W.M“ von Shacke tritt eine Figur auf die Bildfläche, die den Erfolg von der Nordachse Crew maßgeblich mittragen wird: Heiko.
In einer nonchalanten Berliner Art, mit viel Humor und Liebe zu den guten Dingen im Leben, wie zum Beispiel Currywurst, wird Heiko innerhalb kürzester Zeit eine Art Maskottchen des Labels.

In einem kultigen Videoblog auf YouTube wird der Schärfegrad der Berliner Currywurst getestet, in der Panke angebadet und (Kneipen)Sport getrieben. Zusammen mit Shacke zieht Heiko durch die Hauptstadt und erschafft eine Figur, die es dieses Jahr auf die Kinoleinwand geschafft hat.

Zusammen mit dem Regisseur Dominik Galizia entstand der Film „Heikos Welt“, der sich über immer ausverkaufte Kinosäle und sogar den „Förderpreis Neues Deutsches Kino“ für den Hauptdarsteller erfreut.
Ein weiterer Film der beiden Akteure ist in der Mache - bis dahin dürfen wir uns über Heikos Performances in den Videos der Rapkollegen freuen.

Zudem wurde letztes Jahr im Berliner Stadtbezirk Wedding ein Street-Store eröffnet, der die Leidenschaften des Labels vereint: Dort bekommt der Liebhaber Vintage-Klamotten, alte Vinyls, Dosen für die nächtlichen Aktivitäten auf der Straße und natürlich jede Menge Merchandise der Nordachse.

Und während halb Deutschrap mit einem Eistee nach dem anderen überflutet wird, haben sich die Jungs von Nordachse dazu entschieden, ein Getränk auf den Markt zu bringen, das weniger schädlich für die Zähne und besser fürs Gemüt ist: Bier.

Inzwischen ist das Bier „aus’m Kiez, für’n Kiez“ in drei Sorten erhältlich: Pils, Helles und Radler. In immer mehr Spätis der ganzen Republik kann man das Nordberliner finden.

Hinzu kam in diesem Jahr eine deutschlandweite Party-Reihe, die auf den Namen „Das zündet“ hört und hier legt der Chef noch selber auf. In feinster Liebhaber-Manier präsentiert Shacke höchstpersönlich seine auf der ganzen Welt gesammelten Vinyls und lädt zu abfeiern ein.

Es läuft gerade alles sehr gut für Shacke und sein kleines Independent-Label aus Nordberlin und das liegt vor allem daran, dass neben dem organischen Wachstum an einer künstlerischen Schiene festgehalten wurde, die ein Lebensgefühl transportiert und feiert.

Das neue Album „S1“ ist da ein weiterer Meilenstein auf einem kleinen Stück Berliner Rap-Geschichte. Und bringt ein Movement zurück auf die Karte, für das sich die Stadt schon immer ausgezeichnet hat: Authentischer Rap mit Berliner Schnauze.

"Dicke Bombings mit Burner Chrome, Wahrzeichen wie Fernsehturm!
Hertha, Union, Bomber, Shacke, Nordberliner Kernfusion!"  Shacke One / Nordachse

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