Gucci x Adidas: Früher war alles besser

 

Das Jahr 2021 stand in Sachen Fashion ganz klar im Zeichen der Collabs: Man erinnere sich nur an das gemeinsame Hacker-Projekt von Gucci und Balenciaga oder die durchaus unerwartete "Fendace"-Kollektion von Fendi und Versace. Und auch das aktuelle Jahr scheint dem letzten in Sachen Fashion-Kollaborationen in nichts nachzustehen: Gerade beschäftigt nämlich die in Mailand präsentierte Gucci x Adidas-Kollektion die Fashion-Crowd. Was das Ganze folglich aber mit der Rap-Crowd zu tun hat und was ich von der Kollektion halte, lest ihr hier.

Nur noch Gucci – mit Adidas-Logo

Throwback: Wir schreiben das Jahr 2017. Capital Bra (jetzt auf Apple Music streamen) zerreißt die deutschen Charts mit "Nur noch Gucci" und trägt im Musikvideo (Fake?-)Gucci in Kombination mit einem Adidas-Trikot. Kurz darauf ein Blick auf sie Straßen: Trainingsanzug von Adidas x (Fake-) Gucci scheint die neue Uniform der Jugend geworden zu sein.

Und da stellen sich mir direkt ein paar Fragen: Hat Deutschrap nicht schon vor 5 Jahren Gucci und Adidas zusammengebracht? Eine Art erzwungene Collab innerhalb der Outfits der damaligen Rap-Hörer:innen sozusagen. Und ist damit die echte Gucci x Adidas Collab im Jahr 2022 überhaupt noch innovativ? Wenn es nach mir geht, lautet die Antwort sowohl ja als auch nein. Rein aus Fashion-Sicht waren solche Kollaborationen noch bis vor wenigen Jahren völlig undenkbar und wurden nur durch den Rise von Streetwear- und Streetwear-Culture in den Fashion-Olymp ermöglicht. Die großen Modehäuser – innovativ wie sie sind – brauchten so zwar kaum Zeit, um Streetwear-Aspekte in ihre eigenen Kollektionen einfließen zu lassen, wohl aber, um die Expertise bereits etablierter Street- und Sportswearmarken anzuerkennen. Oder um zu verstehen, dass es sich dabei nicht um ein vorübergehendes Phänomen, sondern tatsächlich um ein neues Zeitalter in der Mode handelte. Dazu leistete auch der Designer Virgil Abloh, der Ende 2021 leider seiner Krebserkrankung erlag, einen maßgeblichen Beitrag: zunächst mit seiner eigenen Brand Off-White und später als Kreativdirektor von Louis Vuitton. Die Gucci x Adidas Collab ist aus Fashion-Sicht also eine ebenso logische, wie unerwartete Konsequenz aus den Entwicklungen der letzten Jahre und verfügt aus dieser Perspektive durchaus über eine gewisse Innovationskraft.

 

 

Aus dem Betrachtungswinkel des Hiphops, und mehr spezifisch, des Deutschraps, hat es all das allerdings bereits gegeben – und zwar sowohl in den Musikvideos als auch auf den Straßen. Künstler:innen wie ihre Fans verschmolzen über die Jahre hinweg Streetwear und High Fashion in ihren eigenen Styles und brachten zusammen, was einst nicht zusammengehörte. Der große Einfluss der Hiphop-Kultur kann somit als treibende Kraft hinter der Verschmelzung beider unterschiedlicher Fashion-Genres gesehen werden. In gewisser Weise imitiert die Gucci x Adidas Kollaboration also nur das, was die Straße vor Jahren bereits vorgemacht hat – oder?

Gucci x Adidas: Déja-vus im Kopf 

Um es mit Olexeshs Worten zu sagen: Ja, ich habe, wenn ich die neue Gucci x Adidas Kollektion auf dem Laufsteg so betrachte, einige Déja-vus im Kopf. Und ich kann mich ehrlich gesagt noch nicht ganz entscheiden: Ist das, was ich da sehe, die konsequente Fortführung der Sportswear x High Fashion Entwicklung der letzten Jahre, oder ist es einfach nur das Melken einer bereits vor einiger Zeit totgeglaubten Cash-Cow – und das sogar ein bisschen zu spät? Denn ich komme nicht umhin, bei dem gemeinsamen Logo der Kollektion, das immer und immer wieder plakativ auf den einzelnen Kleidungsstücken auftaucht, ein bisschen zum Gähnen zu finden.

 

Es ist mir persönlich einfach ein bisschen zu sehr in-your-face, unter das klassische Dreiblatt-Logo der deutschen Sportswearmarke den Gucci-Schriftzug zu packen und das Endprodukt dann auf eher Gucci-zuzuordnenden Designs des Creative Directors Alessandro Michele zu platzieren. Um ehrlich zu sein, haben meine Augen mehr geleuchtet, als ich 2017 Capis eigens aus Gucci- und Adidas-Artikeln fusionierten Look erblickte. Der mag am Ende zwar ganz wenig mit High Fashion zu tun gehabt haben, allerdings war er für mich irgendwie der Vorreiter von allem, was ich da vor ein paar Tagen in Mailand über den Runway habe kommen sehen. Drei Streifen und ein gemeinsames Logo auf Michele-typischen Gucci-Styles wie oversized Tailoring oder dramatischeren Roben anzubringen, finde ich insofern einfach ein bisschen zu vorhersehbar. Einen Lieblingsstyle in der Kollektion habe ich dennoch: Der weiße see-through Strick-Jogger mit passender Balaclava und kleiner Gucci Bamboo Bag mit dezenter Logo-Prägung in Schwarz auf Schwarz lässt auch mein Fashion-Herz höher schlagen.

 

 

Er wirkt auf mich einfach etwas weitergedacht, als schlichtweg Sportswear-Elemente, Koop-Logo und drei Streifen auf Guccis übertriebene Seventies Signature-Looks zu übertragen. Und auch einige Accessoires der Kollektion, wie der Adidas Gazelle-Sneaker im Gucci-Look gehen für mich klar.

Alles in allem plädiere ich aber hierfür: Ich wünsche mir von der Liaison zwischen Streetwear und Haute Couture in Zukunft weniger Logomania und weniger "outrageous" Collabs mit kaum Mehrwert für die Zukunft. Vielmehr erhoffe ich mir mehr konsequente Kollaborationen, die zusammenbringen, was ohnehin schon lang zusammengehört. Dazu zählt für mich beispielsweise Adidas Re-Nylon Kollektion mit Prada, in der beide Brands auf einen gemeinsamen Nenner kommen – in diesem Fall der sowohl in Sportswear- als auch in Pradas Handtaschen-Legacy vorkommende Nylonstoff – und so ihre Visionen anhand eines Schmelzpunktes fusionieren.

Und auch Capital Bra, der einst Gucci und Adidas für einen seiner Songs fusionierte, hat eine Collab mit einem der Akteure am Laufen. Mehr zu seiner Adidas-Koop lest ihr hier:

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